Freitag, 13. Dezember 2019
Literatur

Ausgewählte Werke

Winterreise Dunkle Wolken ziehen am Himmel auf,
sie zeichnen Schatten auf die Hügel der Erde.
Der Winter treibt sein altbekanntes Spiel.
Ein Sturm peitscht dicke Schneeflocken
durch die entblößten Zweige.

Die Abendsonne verheißt eine ruhige Nacht
im Land der geheimnisvollen Wälder.
Der Wanderer geht müde
durch das dunkle Reich der Bäume,
doch der Weg zum Licht des Hauses ist noch weit.

Markus A. Langer

Der SONNTAG-Geschenkeguide 2017: Alle Jahre wieder..., 26.11.2017, Seite 15
PDF

Die Rolle seines Lebens Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Geschichte im vergangenen Jahr: Der kleine Maxi sitzt auf einem Schammerl in der Küche seiner Oma und genießt bei ihr die Düfte und den Geschmack der Vorweihnachtszeit. Nun sind einige Jahre ins Land gezogen, Max(i) ist älter und größer geworden. Und wir sind wieder einmal unterwegs in Richtung Weihnachten ...

„Bitte, was soll ich denn tun? Der Zug ist eingeschneit, die Strecke ist blockiert. Es geht beim besten Willen nicht weiter. Der nächste Ort ist 50 Kilometer entfernt. Seien Sie froh, dass das Malheur vor meiner Haustür und nicht auf freier Strecke oder gar tief in den Wäldern passiert ist“, hören die zahlreich in der Dorfkirche versammelten Menschen aus dem Mund von Max. Er spielt den Stationsvorsteher im Weihnachtsspiel. Wer die Vorpremiere vor zwei Stunden im Seniorenheim nicht gesehen hat, möchte jetzt dabei sein. Warum gerade er für diese Rolle ausgesucht worden ist, ist Max noch immer ein Rätsel. Da hätte es doch andere Talente aus seinem Freundeskreis gegeben. Er hat nun die Aufgabe, durch das Stück zu führen. Es ist eigentlich nicht die Hauptrolle, obwohl er den meisten Text zu sprechen hat.
Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihr erstes Kind erwartet. Es ist Anfang Dezember in den Bergen. Der Zug kann wegen Schneeverwehungen nicht weiterfahren und alle Fahrgäste müssen die Nacht in der Bahnhofsstation im kleinen Gebirgsdorf, das – wie könnte es anders sein – den Namen „Weihnachten“ trägt, verbringen. Und das Kind – es wird den Namen David erhalten – möchte nicht länger warten und möglichst rasch das Licht der Welt erblicken, auch wenn es eine eher ungewöhnliche Umgebung für eine Geburt ist.
Für seine Kolleginnen und Kollegen ist Max der Stichwortgeber. Auf seine Worte kommt es an, damit die Mitspieler fortsetzen können. Sie hängen buchstäblich an seinen Lippen und warten auf ihren Einsatz. Wie ein Wunder klappt auch bei der zweiten Vorstellung alles wie am Schnürchen. Auch wenn sich die „Bühne“, der Altarraum, als ziemlich eng herausgestellt hat. Im Seniorenheim war mehr Platz für das Auf- und Abtreten der Laienschauspieler vorhanden. Tobender Applaus – das kommt selten in den heiligen Hallen einer Kirche vor. Max ist überaus glücklich, es geschafft zu haben, gemeinsam mit den Freundinnen und Freunden aus der Jugendgruppe. Was er in diesem Augenblick noch nicht ahnen kann: Es wird seine einzige führende Rolle in einem Theaterstück bleiben.

Markus A. Langer

Der SONNTAG-Geschenkeguide 2017: Alle Jahre wieder..., 26.11.2017, Seite 6
PDF

Ach, wie herrlich es duftet Es ist sieben Uhr abends. Von der nahen Dorfkirche höre ich das Schlagen der Turmuhr. Ich stehe vor dem alten Haus, nur in der Küche brennt Licht. Ich trete näher. Aus dem Radiogerät tönt nach draußen: „Unsere Gute-Nacht-Sendung: Das Traummännlein kommt... Guten Abend, liebe Kinder!” Ich blicke durch das schmale Fenster und sehe Maxi. Da er noch nicht groß genug ist, sitzt Maxi auf einem Schammerl, das auf einem Sessel steht. Damit ist es ihm möglich, über den Küchentisch zu ragen. Vor ihm steht ein großes Häferl, wahrscheinlich mit seinem Lieblingsgetränk, Tee mit viel Zitrone. Andächtig lauscht er der Radiogeschichte: „Der kleine Hans freut sich auf die Zeit vor Weihnachten, denn dann liegen allerlei wohltuende Düfte in der Luft…” Auch diese Küche durchströmt der Geruch des Tannenreisigs schon viele Wochen vor dem großen Fest.
Maxis Oma bindet im Oktober vor Allerheiligen Gestecke für die Gräber auf dem Friedhof, im November entstehen durch ihre fleißigen Hände kleine und große Adventkränze und im Laufe des Advents beginnt sie mit der Arbeit an den kleinen Christbäumchen für den Hochaltar der Kirche. Das dürre Reisig verwendet die Oma zum Anheizen des Ofens. Maxi liebt dieses Knistern und Krachen des lodernden Feuers. Auf diesem Herd steht oft ein großer Häfen, um heißes Wasser zur Verfügung zu haben. Sehr selten, wenn Maxi besonders brav ist, nimmt die Oma ein kleines Körnchen aus einem Papiersackerl, das sich in einer der Laden der Kredenz befindet, und legt es auf die Ofenplatte. Dann riecht es so wie manchmal in der Kirche, oder wenn die Sternsinger rund um Dreikönig in die Häuser des Dorfes kommen. Die kürzer werdenden Tage bedeuten für Oma die große Zeit des Backens. Zu Allerheiligen gibt es den Nussstrudel, Ende November zum Geburtstag des Enkels die Nusstorte. An den Adventtagen und sehr oft auch -abenden bereitet Oma die leckeren Naschereien für den Gabentisch vor: Kekse – meist die ganz einfachen, Vanillekipferl, Lebkuchen, Schneebusserl, Früchtebrot... Fünf Minuten sind vergangen und die männliche Radiostimme sagt: „Gute Nacht, kleine Freunde!” Maxi ist mittlerweile am Küchentisch eingeschlafen.

Jahrzehnte sind vergangen, das Haus steht nicht mehr, die Oma ist vor langer Zeit gestorben. Geblieben sind die Erinnerungen an die Düfte der Vorweihnachtszeit und das Rezept für die einfachen Kekse. Diese bäckt der kleine Bub von damals heute noch — und nicht nur im Advent.

Markus A. Langer, Medienhaus der Erzdiözese Wien

Der SONNTAG-Geschenkeguide 2016: Gedanken und Ideen zum Advent, 13.11.2016, Seite 6
PDF